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Weinbrenner? Ein Stadtbild wird zerstört …

Weinbrenner? Nein danke! Es lebe der Brutalismus?

2021 haben über 1000 Kehlerinnen und Kehler in einer Petition verlangt: „Herr Oberbürgermeister, bewahren Sie eine der letzten historischen Häuserzeilen in Kehl!” Gemeint war die Häuserzeile Hauptstraße 78-88 schräg gegenüber dem Rathaus. Sie präsentiert sich wie das Rathaus teilweise im Weinbrenner-Stil und trägt zu einem erhaltenswerten Stadtbild bei.

Die Petition hat nichts genutzt. Der Gemeinderat hat sie 2021 an die Sparkasse, Eigentümerin einiger Grundstücke in der Häuserzeile, weitergeleitet, in der Annahme, er sei nicht zuständig. Im Ernst? Hat damals auch nur ein Beteiligter angenommen, die Sparkasse und nicht die Stadt sei für Baugenehmigungen und Denkmalschutz zuständig?

Gemeinderat und Stadtverwaltung müssen umsetzen, was die Stadt schon 1977 in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalpflege im „Rahmenplan Stadtkern Kehl“ niedergelegt und 2004 in ihrer Gestaltungssatzung konkretisiert hat: den Erhalt des im Rahmenplan ausgewiesenen, stellenweise von der Weinbrenner-Schule geprägten Stadtbilds.

Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen. Die Pflege des Stadtbilds stand oft auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Und der Gemeinderat hat sich wiederholt zum Weinbrenner-Stil bekannt. So heißt es in der 2020 beschlossenen Gestaltungssatzung: „Auf Grundlage dieses (Weinbrenner-)Konzeptes ist für die Kehler Innenstadt u.a. die Gestaltung eines unverwechselbaren Stadtbildes zur Wahrung bzw. zur Erhöhung ihrer Attraktivität unverzichtbar.“ Ebenso deutlich ist das vom Gemeinderat 2021 beschlossene Stadtentwicklungskonzept 2035: „Die heutige Struktur der Innenstadt und auch einzelne historische Gebäude sind daher ein Verdienst von Friedrich Weinbrenner. Gerade durch dieses Erbe kommen den Themen ,Baukultur‘ und ,Städtebauliche Gestalt‘ als identitätsstiftende Merkmale eine besondere Bedeutung zu.“

Wie verträgt sich das Bekenntnis zum Weinbrenner-Stil mit dem Abbruch des Gelben Hauses Hauptstraße 84 und der Anlage eines freien Platzes an dessen Stelle? Die Häuserzeile wird in ihrer Mitte unterbrochen. Die Sparkasse setzt damit die Zerstörung fort, mit der sie 1965 am Ostrand der Zeile begonnen hat, und Gemeinderat und Verwaltung billigen es. Der Gemeinderat hätte es verhindern können, wenn er Rathaus und Häuserzeile durch Beschluss rechtzeitig unter Ensembleschutz gestellt hätte (Denkmalschutzgesetz § 19).

Stattdessen wird die Häuserzeile im Stil des Brutalismus umgestaltet. Er zeichnet sich durch unverputzten Beton, sichtbare Konstruktionen und freiliegende Grundrisse aus und hatte in der Nachkriegszeit seine „Blütezeit”.

Fazit: Ein erhaltenswertes Stadtbild im Zentrum wird nach und nach zerstört, weil Vorstand und Verwaltungsrat der Sparkasse es so wollen, und die Stadt Kehl, ein Träger der Sparkasse, es unterstützt. Aber vielleicht verhilft das Erlebnis dem Gemeinderat zu der Einsicht, dass historische städtische Gebäude, die das Bild der Stadt oder einer Ortschaft prägen, nicht verkauft, sondern angemessen gepflegt werden sollten.

5.3., 19h, Club Voltaire, Hafenstr. 3: Die Wiedervereinigung und ihre Folgen

Wiedervereinigung – ein Thema von gestern?

Ganz im Gegenteil. Folgt man einigen Historikern, so werden wir tagtäglich daran erinnert, dass im Zuge der Wiedervereinigung manche Weichen falsch gestellt worden sind. Gerhard A. Ritter, Professor für Neuere und Neueste Geschichte, hat 2006 mit seinem Buch „Der Preis der deutschen Einheit – Die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats“ einen Bestseller gelandet. Heute, 20 Jahre später, hören und lesen wir: Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten, wir müssen sparen, Schluss mit Bürgergeld usw. usf.

Was hat die Krise des Sozialstaats mit der Wiedervereinigung zu tun? Gibt es weitere bemerkenswerte Spätfolgen der Wiedervereinigung? Was hat Wolfgang Schäuble, 1990 Bundesinnenminister unter Bundeskanzler Helmut Kohl, zur Wiedervereinigung beigetragen? War die Wiedervereinigung in Wahrheit eine ,,Übernahme“, ein ,,Anschluss“?

Zukunft braucht Herkunft

Unter diesem Motto richtet die Gemeinde Hohberg ein Museumsquartier ein, berichtet die Kehler Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe (KEZ vom 31. Januar 2026). „Ein starkes Zeichen für gelebte Kultur“, meint Bürgermeister Heck.

Und Kehl? Verkauft die Stadt demnächst ihr Museumsgebäude in der Friedhofstraße und schafft damit ihr Museumsquartier ab?Zuzutrauen wäre es ihr, denn auf eine Umfrage der Kehler Zeitung unter Gemeinderatsmitgliedern haben einige für den Verkauf plädiert.

Doch es gibt noch besonnene Mitbürger in der Stadt, genauer: in Kork. „Katastrophale Veräußerung von Kulturgut“ hat in einer Ortschaftsratssitzung ein Korker den geplanten Verkauf des Hanauer Museums, der ehemaligen Sundheimer Grundschule und der Rathäuser in Querbach und Odelshofen genannt. Der Korker Ortschaftsrat lehnt den Verkauf ab.

Entscheiden muss es der Kehler Gemeinderat am 25. Februar. Wir leben gerade in der närrischen Zeit, in der das Brauchtum gepflegt wird. Vielleicht dämmert es dem einen oder anderen Gemeinderatsmitglied beim Umtrunk in der ich-weiß-nicht-wievielten Narrensitzung dieser Saison? Zukunft braucht Herkunft, sonst sind wir heimatlos.

Keine Chancen für den Liberalismus? Vorträge am 13. Febr., 16 Uhr

Generallandesarchiv Karlsruhe und auf ZOOM (https://ag-landeskunde-oberrhein.de/event/keine-chancen-fuer-den-liberalismus/)

Bürgerliche Parteien in der Weimarer Republik

Eine Einladung des Generallandesarchivs zum Forum Landesgeschichte
Durch die Gründung der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) 1918 war der zersplitterte Liberalismus wieder geeint und konnte sich in der neuen Republik zu einem Machtfaktor entwickeln. Doch schnell zeigte sich, dass die Gräben zwischen den ehemaligen Nationalliberalen und Fortschrittlern weiterhin tief waren. Auch das Programm Gustav Stresemanns für die Deutsche Volkspartei (DVP), „Wir sind und bleiben national und liberal“, zeigt die Zerreißprobe des Liberalismus zwischen den Parteien von rechts und links.

Es sprechen:
Dr. Jürgen Frölich, Bonn
Ein national-liberaler Stabilitätsanker? Gustav Stresemann, Baden und die Weimarer Republik
Johannes Niemesch, Karlsruhe
Zwischen Vernunftrepublikanismus und demokratischer Überzeugung. Die Deutsche Demokratische Partei und deren politische Ausrichtung in der Frühphase der Republik Baden
Kaffeepause
Dr. Desiderius Meier, Passau
Die badische DDP und die Chancen liberaler Politik in der Weimarer Demokratie
Das Forum Landesgeschichte ist eine Veranstaltung des Generallandesarchivs in Kooperation mit der
Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein.

Reise in die Vergangenheit

Der Historische Verein Kehl will Kinder und Jugendliche für die Geschichte der Stadt und der Region begeistern. Über die Geschichte findet ein junger Mensch einen emotionalen Bezug zu seiner Umgebung. Damit wächst die Bereitschaft, sich mit der Stadt zu identifizieren und in ihren Institutionen politisch und sozial zu engagieren,

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